Mittwoch, 3. Juni 2015

Kämpfen um endlich fliegen zu können.

Ich habe Angst. Angst mich wieder zu verlieren. Es ist als hätte ich mich erst wieder gefunden nach all den Jahren. Ich wusste nicht wer ich war, ich verstand mich nicht. Doch das war okay, ich hatte die Krankheit. Zu ihr baute ich eine Beziehung auf, die von keinem Menschen ersetzt werden konnte. Ich war das erste mal nicht mehr allein. Die Kinder, auf dem Schulhof, verstanden mich nicht. Meine Lehrer verstanden mich nicht. Doch das schlimmste war, meine Eltern hörten mich nicht. Ich hatte mich, mich und die Krankheit. Aber kannst du mir sagen, ob du das mit acht verstanden hättest? Ich möchte keine Vorwürfe machen, niemandem. Ich möchte es nur aufschreiben. Selbstmitleid hab ich nie zugelassen und dass ist es auch nicht, denn das kleine Mädchen bin ich nicht mehr. Sie tut mir leid, nicht ich mir. Kannst du das verstehen?
Ich fand mich, Stück für Stück. Ich hatte das Gefühl wieder ganz zu sein, doch ich hab das Gefühl wieder zu zerbrechen. Im "Jetzt" hab ich mich wieder gefunden, doch ich muss davon ein Stück wieder abgeben. Denn ich bin noch nicht so weit, ich muss da noch alte Wunden schließen. Ich muss mich dem stellen, was mir so unendlich angst macht. Wollen tue ich es nicht, nicht jetzt wo ich mich erst wieder gefunden hab. Ich versuche mich seit Wochen daran festzuhalten und kämpfe. Versuche Stand zu halten. Das geht für einen Moment, für einen kurzen Zeitraum, aber nicht ein ganzes Leben lang. Und mein Gefühl sagt mir, dass ich nicht wieder weg rennen soll, nicht wieder verdrängen kann. Mit fünf hatte ich diese Chance nicht, jetzt hab ich sie. Vielleicht ist das, was kommt nicht so schlimm. Vielleicht ist es aber auch schlimmer. Ich weiß es nicht, doch ich kann nicht mehr. Hoffen tue ich nur, dass ich die Sicherheit, die ich mir selbst gab, nicht wieder verliere. Dass ich meine Vergangenheit bearbeiten kann, ohne dass ich für mich gefährlich werde, ohne dass ich erneut in die Klinik muss.
Ich hatte einfach gehofft es würde einfach gehen, aber es geht nicht. Das macht mich traurig. Ich wollte einfach nicht mehr kämpfen müssen und bin jetzt doch in meinem bisher größten Kampf. Es wäre so schön gewesen, wenn Ich einfach mal dran gewesen wäre. Doch da werde ich irgendwann hin kommen. Bestimmt. Bitte.

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