Ich möchte mich hiermit erst mal vorstellen, mich und meinen neuen Blog. Nennen werde ich mich "Marlix", weil ich damit die Chance habe neu anzufangen. Meinen Blog nenne ich "Lichtfantasien in der Finsternis", weil das ein Titel ist der mich und meine jetzige Situation am besten widerspiegelt.
Ich möchte hier über meinen Kampf zurück ins Leben schreiben, darüber was ich empfinde, was ich mir wünsche und was in meinem Kopf vorgeht.
Zu meiner Vorgeschichte möchte ich nicht all zu viel sagen, aber Sie wird sich hier in meine Beiträge miteinbauen da Sie immer noch zu mir gehört und immer ein Teil von mir sein wird. Nur soviel, mein (wie ich ihn nenne) holpriger Weg begann in meinem fünften Lebensjahr als ich Opfer von sexuellem Missbrauch wurde, den ich mir über Jahre hinweg als Alptraum einredete und von dem bis zum letzten Jahr auch niemand außer mir wusste. Den Täter kenne ich nicht, hoffe ich, glaube ich. Vielleicht werde ich das im Laufe meines Lebens noch erfahren, aber dazu braucht es noch viel Zeit und Arbeit. Ich werde dieses Jahr neunzehn, seither habe ich die Diagnosen Anorexia nervosa, endogene Depressionen, Borderline und eben die posttraumatische Belastungsstörung bekommen und war in zahlreichen Kliniken und Krankenhäusern.
Ich habe die ganzen Jahre über gekämpft, bin hingefallen und auch wieder aufgestanden aber der richtige Kampf begann im letzten Jahr, während meinem halbjährigen Klinik Aufenthalt bei dem nicht nur ich immer mehr Hoffnung verlor sondern auch meine Mitmenschen. Doch ich bin aufgestanden und habe angefangen für mich zu kämpfen und für mein Leben. Ich habe gemerkt, dass ich das für mich machen muss und nicht für andere Menschen denen mein Dasein was bedeutet. Ich möchte leben, für mich. Diese Erkenntnis war der erste Schritt in Richtung Leben, ich habe noch einen weiten Weg vor mir, das weiß ich und ich weiß auch dass dieser nicht leicht sein wird, aber das ist okay, weil ich habe ein Ziel.
Die letzten sechs Monate waren die bisher schönsten in meinem Leben, ich dachte es würde einfach so weiterlaufen und ich würde nie wieder so heftig aufprallen, dass es je wieder so weh tun würde. Ich war dabei aus meiner therapeutischen Einrichtung zu meinem Freund zu ziehen, doch mit der Zeit wurden wir beide immer unglücklicher aber wir wollten es nicht war haben, oder ich wollte es nicht war haben. Ich habe so sehr versucht mich an unseren schönen Erinnerungen festzuhalten, dass ich das Jetzt vergessen hatte. Am Dienstag haben wir uns getrennt, ob für immer wissen wir beide nicht. Aber es tut weh, so weh wie mir schon lange nichts mehr weh tat. Er war der Erste den ich an mich ran gelassen hab, der Erste bei dem ich mich geborgen und zu Hause gefühlt habe. Mir ist jetzt erst bewusst geworden wie lange ich Gefühle nicht gefühlt habe. Unbewusst. Bevor ein Gefühl an mich ran gekommen ist habe ich zu etwas gegriffen was mir körperlich weh tat. Diese Schmerzen waren erträglicher als jedes Gefühl. Ich würde fast behaupten, dass ich verlernt hatte zu fühlen. Klar konnte ich sie ausdrücken und hatte auch das Gefühl Gefühle zu haben, aber ich habe ihnen die Macht genommen mir weh zu tun, aber auch die Macht schöne Gefühle zu fühlen. Mit meinem Freund ist dieser frühere Selbstschutz, wie ich ihn benennen würde, eingerissen. Ich habe die schönen Gefühle genossen und konnte endlich mal wieder durch atmen. Doch so schön diese Gefühle waren, umso schlimmer sind sie jetzt. Ich weine viel und habe das Gefühl zu fallen und mich verzweifelt versuche irgendwo festzuhalten, aber da ist gerade nichts was mich hält. Ich bin zurück in meiner Einrichtung, doch es ist mir so fremd dort. Ich würde gerne zu meiner Familie, doch dort ist es gerade nicht leicht und sie sind vier Stunden entfernt von mir. Wie soll ich denn hier halt finden, wenn ich hin und her hangel. Verliere ich dadurch nicht noch mehr halt? Es ist gerade schwer, doch auch wenn ich im Moment oft den Wunsch habe aufzugeben, so habe ich die letzten Monate doch so viel geschafft und vor allem gelebt und auch die letzten Jahre, warum sollte ich jetzt nicht wieder aufstehen können!
Ich habe das Gefühl, dass ich an einem ähnlichen Punkt wie damals bin, mit acht verletzte ich mich erstmals und es tat gut, so gut. Mit der Zeit tat es nicht mehr annähernd so gut oder "half". Diese Woche griff ich wieder zu dieser altbekannten Methode und es half wieder, das alles in mir Drinnen wurde wieder erträglicher. Aber es löste auch Angst und alte Erinnerungen in mir aus. Ich bin an einem ähnlichen Punkt, doch möchte ich dieses mal nicht wieder diesen Weg gehen. Ich habe jetzt die Chance etwas anders zu machen und diese will ich versuchen zu nutzen, ich bin jetzt achtzehn und nicht mehr acht. Ich habe gelernt dass es andere Wege gibt und dass ich die Wahl habe. Aufgeben kann ich immer noch, aber nicht kampflos und vor allem nicht jetzt.
Hallo Marlix,
AntwortenLöschenich bin auf deine Seite über eine andere Seite gelangt auf der du dich gestern angemeldet hast.
Du hast eine sehr gute Seite und ich bewundere dich wie offen du über dich schreibst. Viele werden vielleicht nicht verstehen was du uns sagst. Ich denke aber wer sich mit dem " Thema" befasst oder es leider selbst erleben musste versteht was du sagst.
Du schreibst von deinem Kampf und von dem holprigen Weg der dich ans Ziel bringen kann. Mir fällt dabei etwas sehr wichtiges auf. Du bist nach den du gefallen bist immer wieder aufgestanden. Das ist sehr wichtig, auch wenn es bestimmt für dich jedes mal unsagbar schwer war. Auf deinem holprigen Weg werden bestimmt sehr viel Steine liegen. Steine die dich schon oft zu Fall gebracht haben. Es können aber auch Steine sein mit denen du eine Brücke bauen kannst. Eine Brücke aus der Finsternis.
Freundliche Grüße
Ascor
Lieber Ascor,
AntwortenLöschenich habe deinen Eintrag schon gelesen, doch war ich mir unsicher was ich antworteen könnte.
Mich haben deine Wort aufgebaut, es tut gut mit dem was ich schreibe verstanden zu werden. Ich habe gemerkt dass ich nicht alleine bin, was ich vorher nicht wusste. Ich versuche immer mich zu rechtfertigen, zu erklären warum ich so bin und warum ich so denke und fühle. Doch das muss ich nicht. Doch es tut auch einfach gut mir einfach alles aus der Seele zu schreiben. Vieles was hier steht habe ich noch nie ausgesprochen und es hilft mir tatsächlich auch mehr es hier aufzuschreiben und/oder mit Menschen mit ähnlicher Vergangenheit im Kontakt zu sein als mit einem Therapeuten der viele solcher Fälle hatte. Ich habe viel Therapie hinter mir und auch schon achtzehn Therapeuten hinter mir, ich hab dadurch das Vertrauen zu ihnen verloren. Ich rede mit ihnen ohne etwas zu sagen. Ich bin im Moment nicht bereit dazu. Aber ich weiß das ich es irgendwann sein muss, denn ganz ohne professionelle Hilfe werde ich nicht abschließen können. Das glaube ich zumindest bis jetzt.
Ich wünsche dir alles Liebe!
Marlix
Liebe Marlix,
AntwortenLöschendas du dachtest du bist allein, du musst dich für alles rechtfertigen und auch vielleicht zu denken das du es anderen Recht machen musst, genauso so geht es vielen anderen Betroffenen.
Ich weiß auch das es sehr schwer ist mit jemand über das Erlebte zu reden. Noch schlimmer denke ich ist es wenn man mit einem Therapeuten darüber reden soll. Das schlimmste ist das Therapeuten auch noch bohrende Fragen stellen die man eigentlich nicht beantworten kann oder möchte.
Vielleicht schaffst du es das du durch das Schreiben auch irgendwann darüber reden kannst. Lass dir bitte dabei Zeit und zwinge dich nicht dazu. Du findest selbst den richtigen Zeitpunkt dafür.
Ich hoffe das du irgendwann wieder versuchen kannst eine Therapie zu beginnen und dann auch das Vertrauen zu einem Therapeuten/in finden kannst.
Liebe Grüße
Ascor
Ja, Therapeuten können manche Erinnerungen mit ihren Fragen sehr gut intensiveren. Was mir teilweise gefährlich wurde weil ich heftig weggedrifftet bin....! Therapie ist nicht leicht und vielleicht brauche ich gerade einfach eine Art Pause von dem ganzen Therapietrubel. Ich bin der Meinung dass Therapien durchaus hilfreich sein können, aber auch umgekehrt einiges Zerstören kann. Nicht immer und nicht bei jedem, aber sie kann es. Da ich nun mehr als die Hälfte meines Lebens in Therapie bin, habe ich mir eine kleine Pause gewissermaßen auch verdient, glaube ich. Und das Feingefühl habe ich für mich auch entwickelt, dass ich weiß wann ich wieder Hilfen brauche. Und eine Art Selbsttherapie mache ich ja auch tatsächlich durch das schreiben und es tut wirklich einfach gut.
LöschenIch weiß leider so gar nichts von dir, aber ich wünsche dir trotzdem dass es dir gerade gut gut!
Liebe Grüße Marlix
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
LöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
LöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
LöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
LöschenLiebe Marlix,
AntwortenLöschenschön und traurig, wieder von dir zu lesen.
Schön, weil du weg warst, nicht klar war, wie es dir denn geht, ob es gut ausgegangen ist, dein Experiment, oder nicht. Gehofft habe ich immer, dass es dir gut geht.
Traurig, weil die Umstände traurig sind.
Du hast dich verändert, aber das weißt du sicher selbst. Du bist sicherer geworden, glaube ich. Du schaffst auch das!
Du bist so weit gekommen, die weiteren Schritte wirst du sicher noch gehen, vielleicht auch nicht jetzt, vielleicht bleibst du auch zunächst mal stehen, oder gehst langsamer, doch du wirst vorwärts gehen, daran glaube ich fest.
Eine Trennung ist schwierig, doch sie bringt auch Möglichkeiten. Vielleicht kann er dein bester und wichtigster Freund sein und dich in deinem Leben und bei deinen Schritten begleiten.
Eine, die ganz fest an dich glaubt und dir alle Kraft der Welt wünscht,
Josephine
Liebe Josephine,
AntwortenLöschendu hast recht, ich hab mich verändert. Doch, dass du das allein hier raus feststellen kannst berührt mich schon sehr. Ich bin ein Stück weit gewachsen an den letzten Jahren, an dem was ich er'lebt' habe. So ganz weiß ich immer noch nicht wer ich den eigentlich bin aber ich bin dem ein großes Stück näher gekommen. Und vor allem kann ich jetzt sagen, dass ich es nicht 'nur' schaffen kann, sondern auch möchte! ich habe ein Stück von mir wieder gefunden und dass gibt mir enorm viel Kraft.
Mit der Trennung komme ich immer noch nicht ganz zurecht, es war kein glatter Bruch und es gibt eigentlich noch so viele offene Fragen. Doch es ist glaube ich für uns beide nicht einfach damit umzugehen. Ich weiß es nicht und Ungewissheit ist manchmal schlimmer als die Gewissheit.
Ich danke dir für deine lieben Worte und ich wünsche auch dir viel Kraft!